Psychoterror unter Arbeitskollegen

Der eigene Arbeitsplatz ist für viele Menschen auch einer ihrer Lebensmittelpunkte. Arbeit ist für zahlreiche Arbeitnehmer sinnstiftend und zugleich eine Quelle der sozialen Kontakte und der sozialen Interaktion.

Doch wie in jedem sozialen Gefüge treten hier auch negative Interaktionen auf, die systematische Ausgrenzung einzelner, das Mobbing. Das Phänomen ist in vielen Menschengruppen aller Altersklassen auffindbar: Es wird sich ein vermeintliches Opfer ausgesucht, über das gelästert und getratscht wird.

In diesem Jobrateber – Artikel beschäftigen wir uns mit dem Thema Mobbing am Arbeitsplatz. Was sind die Gründe für Mobbing? Welche Arten gibt es? Was kann gegen Denunzierungen getan werden?

Ursachen des Mobbings

Die Ursachen des Mobbings sind vielfältig. Auf individueller Ebene ergeben sich verschiedene Gründe. Hier kann zum Beispiel eine fehlende Kommunikation zwischen den Arbeitnehmern die Ursache sein. Hierdurch können Fehlinformationen entstehen und verbreitet werden, welche zu einem sozialen Konflikt einzelner Personen mit einer Gruppe führt.

Ebenso kann Mobbing durch starken Konkurrenzdruck entstehen. Wenn jemand bessere Leistungen als seine Kollegen erbringt, können diese versuchen, die Leistung dieses Kollegen oder dessen Geeignetheit für eine Beförderung zu verringern, indem er ausgegrenzt wird.

In einer ähnlichen Weise werden oft auch jene Kollegen ausgegrenzt, welche ein, womöglich auch nur vermeintliches, enges Verhältnis zum Vorgesetzten aufweisen. Die Zielsetzung der übrigen Kollegen ist hier identisch, der Fortschritt des Lieblings des Chefs soll unterbunden werden, da dieser zumindest aus subjektiver Sicht zulasten der eigenen Entwicklung geht.

Ein nicht zu unterschätzender potenzieller Grund des Mobbings hat seine Ursache in der Enttäuschung über die eigene Leistung. Menschen, welche mit der eigenen Arbeitsleistung unzufrieden sind, suchen oft den Grund hierfür in Umständen außerhalb des eigenen Einflusses. Hierdurch kann die Schuld am eigenen Versagen auf andere projektiert werden, ohne sich selbst Verfehlungen eingestehen zu müssen.

Zuletzt kann auch die Andersartigkeit des Kollegen Grundlage der Diskriminierung sein. Jemand der anders empfunden wird, kann leicht innerhalb einer Gruppe in eine Sündenbockfunktion geschoben werden.

Neben diesen individuellen Gründen sollte die gruppendynamische Grundlage des Mobbings nicht vernachlässigt werden. Aus soziologischer Sicht nehmen Mitglieder in einer Gruppe archetypische Positionen ein, eine dieser Positionen ist jene des Außenseiters. Somit ist die Grundlage der Ausgrenzung womöglich auch die Folge unbewusster Handlungen aller Beteiligten, in welcher eher zufällig ein Opfer ausgewählt wird.

Arten des Mobbings

Bei dem Mobbing sind zentral zwei Formen zu unterscheiden:

  1. Zum einen kann Mobbing zwischen Mitarbeitern stattfinden, welche in etwa auf der gleichen hierarchischen Ebene stehen.
  2. Ebenso ist jedoch auch Mobbing zwischen Mitarbeitern unterschiedlicher hierarchischer Ebenen möglich. Hier dominiert das Mobbing der höheren Ebene gegen Personen der niedrigeren Ebene.

Das Mobbing auf gleicher Ebene äußert sich oft in Form von klassischer Ausgrenzung, der Verleumdung einzelner Mitarbeiter oder auch der Sabotage der Leistung des Gemobbten. Dies kann auch Intrigen der Kollegen beinhalten, welche das Ziel haben, dem Kollegen in seiner Karriereentwicklung zu schaden.

Mobbing auf unterschiedlichen Ebenen, also Mobbing durch Vorgesetzte, äußert sich oft anders. So wird der unterstellte Mitarbeiter oft für seine vorgebliche Minderleistung kritisiert. Er wird als Problem der gesamten Abteilung gesehen, welcher dieser schadet. Dies kann sich in Beleidigungen und öffentlichen Zurechtweisungen äußern. Hierbei kann der Vorgesetzte auch durch Erhöhen der Lautstärke besonders demütigende Situationen für den Mitarbeiter hervorrufen, dem Anbrüllen. In besonders dramatischen Situationen kann es sogar zu körperlicher Gewalt gegen den Mitarbeiter kommen.

Eine subtilere Variante des Mobbings durch den Vorgesetzten ist die Benachteiligung des Mitarbeiters bei der Arbeit. Diesem werden unliebsame Aufgaben übertragen oder der Mitarbeiter erhält in einem Schichtbetrieb lediglich die unbeliebtesten Schichten. Bei der Verteilung von neuen Aufträgen wird der Mitarbeiter systematisch übergangen oder durch die Zurückhaltung von wichtigen Informationen sabotiert.

Maßnahmen gegen das Mobbing

Prävention

Mobbing lässt sich am besten verhindern, indem man die Entstehung des Mobbings unterbindet. Hierzu können Schulungen der Mitarbeiter und Kollegen gehören, welche das eigene Verhalten kritisch hinterfragen. Insbesondere Vorgesetzte müssen darüber hinaus auch die Gruppendynamik der ihnen unterstellten Arbeitnehmer im Auge behalten und notfalls korrigierend eingreifen.

Auf individueller Ebene kann Mobbing durch aktive Gestaltung des eigenen Sozialverhaltens unterbunden werden. Durch gezielte Ablehnung der sozialen Position des Ausgegrenzten können solche Probleme bereits ursächlich vermieden werden.

Ebenso gehört auch eine gewisse Anpassung an die Gruppe dazu. Wer merkt, dass die Gruppe besonders schlecht auf Andersartigkeit reagiert und dieser mit Diskriminierung begegnet, sollte seine individuellen Eigenschaften nicht zu aggressiv in den Vordergrund stellen. Hierzu gehört auch eine gewisse Bescheidenheit über die eigene Leistung. Dies sollte jedoch nicht so weit gehen, dass die eigene Karriereentwicklung der sozialen Anpassung geopfert wird. Ein gutes Betriebsklima ist ein Patentrezept gegen Ausgrenzung.

Defensive Reaktionen

Wenn Drangsalieren bereits auftritt, ist es wichtig, auf das Verhalten passend zu reagieren. In leichten Fällen kann das Ignorieren eine ausreichende Funktion haben. Hierbei sollen die Kollegen das Interesse verlieren. Wenn das Mobbing jedoch tief greifende Ziele verfolgt, ist diese Strategie wirkungslos.

Hier ist ratsam, aktiv dem Mobbing entgegenzuwirken. Wer zum Beispiel Intrigen gegen sich erkennt, sollte umgehend Kontakt zum Vorgesetzten, Personalabteilung oder Betriebsrat suchen.

Offensive Reaktionen

Auch die Konfrontation der Mobber kann erfolgreich sein. Diese sind auf Gegenwehr oft nicht vorbereitet und reagieren daher schnell ausweichend unter Aufgabe des Verhaltens.

Wenn diese Maßnahmen nicht erfolgreich sind, hilft nur noch die Dokumentation der Handlungen und die Ergreifung rechtlicher Schritte sowie gegebenenfalls höherer Positionen in der Unternehmenshierarchie.

Wie reagiert man auf Lästereien im Kollegenkreis?

Sollen Sie beobachten, dass eine Kollegin oder ein Kollege wiederholt im Kreuzfeuer lästernder Mitarbeiter steht, zeigen Sie Courage! Lästern Sie nicht mit, sondern zeigen Sie den Mobbern den Spiegel für ihr Fehlverhalten vor.

Suchen Sie mit dem Opfer ein vertrauliches Gespräch und helfen Sie mit, den unfairen Spuk zu beenden.

Aktives Mitlästern ist eine sehr schlechte Idee, weil eines Tages der Bummerang zurückkommt. Dann heißt es nämlich: „Frau Soundso hat nämlich auch gesagt, dass… !“ Dies zeugt von illoyalem Verhalten und kann sogar vom Chef geahndet werden. Halten Sie sich aus Tratscherein heraus.

Zusammenfassung: Denunzierung muss unterbunden werden!

Die Gründe des Mobbings sind vielfältig und auch in der Gruppendynamik zu finden. Opfer werden oft eher zufällig ausgewählt und durch Verleumdung, Beleidigung, Ausgrenzung und Sabotage angegriffen.

Die Vermeidung von Mobbing sollte möglichst präventiv durch aktive Gestaltung der eigenen Sozialdarstellung erfolgen.

Wenn Mobbing bereits eingetreten ist, so kann die aktive Konfrontation der Mobber der richtige Weg sein. Im Extremfall ist die Einschaltung der Personalabteilung, des Betriebsrats oder einer höheren Position im Unternehmen notwendig. Schlussendlich sind auch rechtliche Schritte möglich.

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